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It‘s easy

(40 x gelesen) im
Mai 03 2019

Es ist Freitag. Es ist Dialysezeit. Es ist schön. Mir geht es gut. Ich fühle mich wohl. Ich bin zufrieden. Die Nadeln sitzen, ich spür sie kaum, Daisy macht ihr Ding und macht es gut.

Außer die vier Brötchen, die werden wieder nicht reichen. Sind schon alle aufgegessen, jetzt, um viertel nach acht... Ich bin wohl ausgehungert. Die Tribute des Panem - oder des Gartens, die letzten beiden Tage. Körper-Ertüchtigung zur Gesunderhaltung von Leib und Geist (und Seele). Bewegung, Körperfett-Abbau, solange man weniger zuführt als man abbaut. Auch die Gelenke mutieren wieder von „Brechstangen-Gelenkigkeit“ zu „Fußnägel-wieder-problemlos-alleine-schneiden-können“. Insgesamt erfreulich.

 

Themawechsel.

Daisy. Funktionsweise. Ultrafiltrationsrate. Wieviel Wasser braucht der Mensch? Woher weiß Daisy, wieviel sie in welcher Zeit abzapfen kann?

Einfach erklärt geht das so: Am Anfang hat sie mein aktuelles Startgewicht. Das vergleicht sie mit den Durchschnittswerten und dann beobachtet sie, wie dickflüssig das Blut ist. Weniger Wasser bedeutet „dickflüssiger“, mehr Wasser (nicht verwechseln mit Meerwasser!) bedeutet „dünnflüssiger“. So, als ob du einen Smoothie mit weniger oder mehr Wasser vermischst. Zunächst zieht Daisy das überschüssige Wasser aus dem Blut, bis es „dick genug“ ist. Dann fließt aus dem Gewebe das überschüssige Wasser in die Blutbahn, um diese Differenz wieder auszugleichen. Dann registriert Daisy „zu dünn“ und zieht das überschüssige Wasser wieder raus. Dann fließt wieder Wasser aus dem Gewebe in die Blutbahn. Dann... Naja, ihr wisst schon. Das geht dann die ganzen vier Stunden so. Und dazu gibt es noch etliche Para- und andere Meter, die nur für Daisy und das Personal kein Buch mit sieben Siegeln ist, die da eingestellt und beobachtet und ausgewertet und korrigiert werden, um mich nach der Dia optimal gewässert, glücklich und zufrieden nach Hause oder sonst wohin zu entlassen.

Und wenn ich fein lieb meine tägliche Trinkmenge meiner noch vorhandenen Ausscheidung anpasse (raus + 0,25 Liter schwitzen und atmen = rein), dann sollte im Groben der Wasserhaushalt stabil bleiben. Trinke ich mehr, zieht zur nächsten Dia Daisy die Augenbrauen hoch und muss mich entwässern. Trinke ich zu wenig, sinkt mein Trockengewicht, Blutdruck steigt, Allgemeinbefinden sinkt, Daisy hat weniger zu tun - und zieht auch die Augenbrauen hoch.

 

Meine Blutwerte sind da! Vieles richtig gemacht! Viele zu hohe Werte, auch viel zu hohe Werte, tendieren langsam Richtung „Normal“, bei einigen sind sie sogar schon im Normal-Bereich. Erfreulich. Wie habe ich zu Anfang geschrieben? „Mir geht es gut. Ich bin zufrieden...“ 

Hat schon seinen Grund, oder?

 

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