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Apr 05 2019

Freitag, Wochenende, schlechtes Wetter, Regen, kalt. 

Freitag ist eben nicht immer Freitag, zumindest was das Wetter betrifft. Bei anderen Sachen ist das anders. Da ist Freitag immer wie Freitag. Und Mittwoch wie Mittwoch. Und Montag wie Montag. Regelmäßigkeit, Routine, Gewohnheit. 

Immer wenn ich am Morgen hier in der Klinik ankomme und auf den Türöffner drücke, kommen gemischte Gefühle: „Ich muss schon wieder hierher!“ Krankenhausfeeling. Und wer geht schon gerne ins Krankenhaus? Da haben etliche schon besuchsweise Probleme damit. Und erst, wenn du hin MUSST... Montag, Mittwoch, Freitag. Klar kannst du nach fünf Stunden wieder gehen, aber das ist erst mittags. Früh musst du erst mal rein. Da hängt dann der ganze lange Schwanz des Dialyse-Themas dran. Behinderung, Einschränkung, Abhängigkeit, Nadeln, Eisenmangel, zu viel Wasser im Gewebe und noch 994 andere.

Aber es gibt auch andere Gefühle (sonst wären sie ja nicht gemischt). Die sitzen etwas tiefer im Bewusstsein, werden erst mal nicht so offensichtlich wahrgenommen. Die passieren auch morgens beim Drücken des Türöffners: „Ich bin wieder da.“ Aber nicht als Krankenhaus-Patienten-du-musst-wieder-hin-Feeling. Eher als ein sicheres Gefühl. Du weißt, was dich erwartet, wo dein Platz ist, kennst dich aus, kennst Personal und Mitstreiter, kennst die ganzen Abläufe bis du mittags wieder den Türöffner nach draußen drückst. Es ist wie ein „du gehörst hierher“ „es ist wie eine richtige Arbeitsstelle“ „dir geht es gut hier“ „du hast deine Ruhe“. Ähnlich wie im Garten: „Ihr könnt mich alle mal...“

Und dieses Gefühl zieht sich auch in den Alltag zuhause. Montag, Mittwoch, Freitag. Da gibt es keine Diskussionen, kein Ausweichen, keine unerwartete Änderung. Das sind Fixpunkte am Firmament der Alltagsplanung. 06:30 Uhr wecken, fertig machen, Sachen einpacken, Taxi, Türöffner..., Türöffner, Taxi, Mittagspause. Erst danach und an den Tagen dazwischen läuft der Tag oft verschieden. Da fehlt mir dann ein wenig die Sicherheit dieser gewohnten Abläufe.

Dann kommt dazu noch der Tatbestand des Rentner-Daseins. Du musst nicht mehr unbedingt wie früher. Rente bedeutet festes, regelmäßiges Einkommen. Ich frag mich nur, warum das Einkommen heißt. Mit der Höhe ist damit ja kaum ein Auskommen. Aber zumindest den Großteil des Lebens kann man damit bestreiten. Nebenbei noch ein wenig  Webseiten-Werkeln krieg ich noch locker hin. Taschengeld.

Als Rentner braucht man also keinen so straff organisierten Tagesplan. 06:30 Uhr aufstehen? Oder erst 08:30 Uhr? Spazieren gehen oder nicht? Vormittags oder erst nachmittags am PC die Webseite bearbeiten und dafür lieber einen Abstecher in den Garten? Solche Fragen stellen sich dann den ganzen Tag.

 

Als Dialyse-Rentner stellen sich keine dieser Fragen. Montag, Mittwoch, Freitag. Jede Woche wieder...

 

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