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Luft im System

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Mär 15 2019

- Ein Kaffee, zwei Brötchen, ein Wasser. 

- Zwei Nadeln, eine Blutdruckmanschette, eine halbe Ampulle Ferrlecit. 

- Eine Schwester, die die Nadeln setzt, eine, die die Nachkontrolle macht, ein Pfleger, der das Frühstück bringt. 

- Sieben Mitpatienten, ca vier Schwestern, ein Pfleger, ein Arzt bei der Visite. Bei den Schwestern bin ich mir nicht ganz sicher, die wuseln zu sehr durcheinander. Ohne jedoch chaotisch oder hektisch zu wirken. Im Gegenteil, man hat den Eindruck, die arbeiten gut zusammen und wissen genau, was sie tun.

- Blutdruck 145/75, UF-Ziel 200, +-500, Blutfluss 320.

- Drinnen angenehm warm, trocken. Draußen unangenehm kalt, trüb, regnerisch.

- 4,25 Std. Dialysezeit, 0,50 Std. davon schon abgelaufen. Die Zeit läuft, Daisy steht, ich liege, die Nadeln sitzen. Das Taxi davor und danach fährt. Manchmal fliegt die Zeit auch. Dann sind die vier Stunden ratzfatz vorbei.

 

Beim Nadeln setzen habe ich auf Anfrage Folgendes erfahren: Beim Anschließen an Daisy gibt es ja den Zustand, dass sowohl von Daisy’s als auch von meiner Seite die Schläuche geöffnet werden müssen, um sie miteinander zu verbinden. Da kann sich doch auch mal ein Luftbläschen heimlich einschmuggeln. Richtung Daisy kein Problem, die merkt das und macht kurzen Prozess damit. Aber Richtung Ich? Da gehts in den Blutkreislauf. Wer merkt es da? Ich? Bei einer Embolie?

Entwarnung! Für eine ernsthafte Komplikation müsste viel mehr Luft ins System gelangen, als nur ein einziges Bläschen. Das wird im Kreislauf kompensiert und kann keinen Schaden anrichten.

Es ist wie bei meiner Emma damals. Die Dieselpumpe zieht nicht nur Diesel vom Tank, sondern permanent auch Luftbläschen. Und die schafft es immer locker, selbst zu entlüften, bevor der Diesel in die Einspritzpumpe kommt. Und die verträgt gar keine Luft und Emma‘s Motor schnurrt wie ein Kätzchen und arbeitet wie ein Tiger.  Außer, man ist nach Rumänien unterwegs und es gibt Probleme, die mich nötigen, mit Emma einen „Notarzt“ aufzusuchen. Dort wird gesucht, probiert, repariert. Am nächsten Tag alles wieder gut und ich bin zurück auf der (österreichischen) Autobahn. Bis zu einer Steigung. Emma zieht knapp 40 Tonnen hoch, Vollgas, maximaler Verbrauch, satte Leistung. Kurz vor der Bergkuppe fängt Emma an zu stottern. Ups! Kann ich hier grad gar nicht brauchen! Dazu noch auf der Überholspur... Wir schaffen es grad noch so über die Kuppe, dann bleibt der Motor stehen. Ohne Motor ist auch ohne Lenkhilfe. Bei 40 Tonnen braucht man schon Muckis, um dorthin zu lenken, wohin man möchte. Ich hab noch so viel Schwung (und Muckis), dass ich - zum Glück geht es jetzt leicht bergab - bis zur nächsten Nothaltebucht rolle. Warnblinker, Technik und Elektrik durchchecken, aussteigen (rechts, weil du sonst links vom fließenden Verkehr, der nur einen Meter neben dir vorbeisaust, mitgerissen wirst), Fahrerhaus kippen und dabei die ganze Zeit mit kfz-schlosserlichem Feingefühl und Erfahrung die Frage im Kopf: „Warum?“ Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Ich hocke auf dem Motorblock und sehe, dass in der Werkstatt der Ansaugschlauch vom Tank zur Dieselpumpe nicht richtig festgezogen war. Die Pumpe hat Luft gezogen. Bis zur Autobahn dümpeln war kein Problem. Nur dann den Berg hoch. Da war die Luft zu viel. Meine Emma hatte eine „Embolie“ in der Einspritzpumpe. Anschluss festziehen, System entlüften, starten, läuft! Fahrerhaus zurück kippen, Werkzeug wegpacken, einsteigen (rechts!), weiter geht’s!

Eine wichtige Frage zu möglichen Dialyse-Komplikationen ist beantwortet. Eine.

 

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