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Wo bin ich hier?

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Mär 13 2019

Bei der zweiten Nadel unten hab ich gar nichts gespürt. So, als hätte ich eine lokale Anästhesie bekommen. Cool! Dort sind wohl nur noch sehr wenige der Nerven funktionstüchtig. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich der Schwester vorher prophezeit habe, dass wieder alles gut geht. Denn bei der oberen, der venösen, trauen sich die meisten nur zaghaft heran. Dort läuft die Vene in Schlangenlinie und man muss als „Nadel-Setz-Verantwortliche“ schon ein sehr gutes Fingerspitzengefühl haben, um da überhaupt zu spüren, wohin man wie tief und in welchem Winkel wie weit stechen muss, damit Blut fließt. Und zwar nur in die Nadel und den Schlauch und nicht ins Gewebe dahinter. (Thema „Picasso-Arm“) Aber nach manchen anfänglichen Zitterpartien in den ersten Wochen gibt es bei allen Schwestern und Pflegern seitdem keine Probleme mehr. „Good Job, Baby.“

Die veränderte UF-Rate mit plus/minus scheint mir gut zu bekommen, oder, um es noch vorsichtig auszudrücken, nicht zu schaden. Ich war zwar etwas „wie benommen“ am Nachmittag und der Blutdruck bei ca 120/70, doch ich hab’s gut weggesteckt. Wie sagen manche? „Schaumama!“ 

 

Warum schmeckt der Kaffee in der Klinik so gut! Und auch die Brötchen scheinen nicht mehr so salzig zu sein. Gewöhnung oder Täuschung? Nobody knows. Frühstück in der Klinik. Eine feste Größe in meinem Leben.

Genauso wie Dialyse in der Klinik. Vormittags. 4 1/4 Stunden. Auf Platz 7. Mit denselben Bettnachbarn. Bis auf die links von mir, da kommt immer mal jemand anderes. Mit zwei Nadeln im Arm. Mit Daisy. Mit zwei Schläuchen, durch die sichtbar mein Blut läuft. Dunkelrot. Permanent. 350 ml pro Minute. Angereichert mit Heparin, damit es in Daisy nicht gerinnt. Mit durchweg freundlichem und netten Personal. Ruhe haben (müssen) und Entspannung. Mit einer erstaunlich wohltuenden Athmosphäre. Hier gab es noch nie Stress. Erholen, relaxen. Ja, das ist hier möglich. Festes Programm, gewohnte Abläufe. Tagebuch, etwas Doku schauen, schlafen, nur ganz selten mal am iPad als Webmaster richtig arbeiten. Lediglich die Wurst auf den Brötchenhälften wechselt täglich. Und die Personal-Besetzung. Sowas hätte ich früher niemals für möglich gehalten! Wie um alles in der Welt kann man sich in einem Krankenhaus nur wohlfühlen?! Es klingt seltsam, aber die Dialyse ist inzwischen ein Stück Lebensmitte geworden, um die herum sich alles andere ordnet. Selbst die Tage dazwischen können sich dem nicht mehr entziehen. Wäre die Dialyse jeden Tag, wäre das auch okay. Früher bin ich auch jeden Tag zur Arbeit gegangen. Mein Dialyseplatz ist ein kleines Stück ein Zuhause geworden. Oder ein angenehmer Arbeitsplatz. Klingt verrückt, aber ich bin gerne hier.

Also werde ich den Vormittag heute hier wieder „genießen.“ Ätsch!

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