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Die Erbschaft

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Feb 27 2019

Mittwoch

 

Manchmal werde ich gefragt, warum ich kaputte Nieren habe, was die Ursache für Nierenversagen ist. Da gibt es einige Antworten. Zu hoher Medikamentenkonsum. Kreislaufstörung nach Unfällen oder Operationen. Ständig zu hoher Blutdruck. Gefäßverkalkungen, auch in den Nieren. Zystennieren. Und noch einiges andere. An manchem ist man selber Schuld, anderes kann man weniger beeinflussen, wieder anderes muss man einfach hinnehmen.

Eine Kreislaufstörung nach einem Unfall hatte ich mit etwa 14. Sturz vom Kirschbaum mit Aufprall in der Nierengegend und anschließendem Atemstillstand. (Das wäre eine typische „Jackpot-Geschichte“.) Bei meiner ersten Nieren-Untersuchung vor etwa 15 Jahren, als nur noch eine Nierenleistung von 50% festgestellt wurde, dachte ich ja, dass sich bei dem Sturz die eine Niere verabschiedet hätte. War aber nicht so, wie ich später erfahren habe. Beide Nieren hatten da schon nur 50%.

Soweit ich zurückdenken kann, habe ich zu hohen Blutdruck. Im Verlauf der Untersuchung vor 15 Jahren wurde eine 24-Stunden-Messung durchgeführt. Ergebnis: Tagesdurchnitt 169/101. Bedeutet, ich war quasi ständig auf 180... Ob sich das auf mein Allgemeinverhalten ausgewirkt hat, möchte ich nicht bezweifeln. Durch verschiedene Parameter reguliert die Niere den Blutdruck. Unter anderem auch, wie groß die Blut-Durchflussmenge durch die Niere ist. Ist die zu gering, wird der Blutdruck angehoben. ABER... Hoher Blutdruck schädigt die Niere. Dadurch wird der Blut-Durchfluss geringer. Dann wird der Blutdruck angehoben. Dadurch.. usw... Eine Spirale beginnt.

Zysten in den Nieren. Und hier beginnt das Drama. Das ich auch nicht bis ins kleinste Detail ins Drehbuch bringen kann. Nur soviel: Bei vielen Nierenkranken ist die Geschichte vererbt. Volltreffer!  Ein Blick ins Drehbuch:

Ich war 17 und in der Ausbildung zum KFZ-Mechaniker, als meine Mutter mit knapp 49 Jahren plötzlich in der Küche zusammenbrach. Blaulicht. Krankenhaus. Dort wurde, im Gegensatz zu früheren Untersuchungen, die Ursache all ihrer jahrelangen Beschwerden entdeckt: akutes Nierenversagen. Auf die Frage meines Vaters, was denn nun zu machen sei, antwortete der Arzt sehr leise: „Ihre Frau ist nicht mehr lebensfähig. Alle Organe, der gesamte Körper ist so weit geschädigt, dass es keine Heilung mehr gibt, selbst wenn man sofort mit einer Dialyse beginnen würde.“ Damals, 1971, im Osten, war Dialysebehandlung auch noch nicht so weit. Sie wurde dann auf eigenen Wunsch entlassen und lag noch etwa zwei Wochen zuhause. Diese zwei Wochen zu beschreiben erspare ich mir. An einem Tag wurde ich in der Firma aufgehalten und hab meinen Bus verpasst. Eine Stunde später fuhr der nächste. Zu Hause angekommen, kam mir mein Vater entgegen. Verstört, blass, zitternd. In dieser Stunde ist meine Mutter gestorben. Wäre ich pünktlich zuhause gewesen, hätte ich mich noch verabschieden können...

Das Gemeine an Nierenversagen? Es gibt keinerlei Schmerzen. Ohne ärztliche Untersuchung bleibt sie völlig unerkannt. Selbst die Auswirkungen können sich hinter anderen Symptomen verbergen. Es gibt Manches, das man von seinen Eltern erben kann. Dann kann man sogar noch entscheiden, ob man das Erbe antreten möchte oder nicht. Aber es gibt auch Dinge, bei denen man nicht gefragt wird. Das kriegt man einfach.

Meine persönliche Empfehlung an meine Leser: ein Termin bei einem Nephrologen (Nierenspezialist) mit der Bitte um eine Untersuchung auf eventuelle Nierenschäden. Ultraschall, Blutbild, das ganze Programm. Weil man die Krankheit nicht spürt, sondern nur sieht. Und auch nur dann, wenn man reinguckt.

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