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Feb 21 2019

Donnerstag

 

Richtig, Donnerstag, nicht Freitag, wie gewohnt. Mir sind manche Gedanken so wichtig, dass ich nicht bis morgen damit warten möchte. Ich habe eine Webseite gefunden. Dort ist haargenau beschrieben, wie sich Dialysepatienten fühlen und mit welchen Problemen und Herausforderungen sie zu kämpfen haben. Ich zitiere von der Seite „bundesverband-niere.de“:

 

ZUR SITUATION NIERENKRANKER MENSCHEN

Die Erkenntnis, von einer chronischen Erkrankung betroffen zu sein, bedeutet für die Betroffenen einen schwerwiegenden, krisenhaften Einschnitt in ihrer Lebensgeschichte und Lebensplanung. Bei der chronischen Niereninsuffizienz kommt außerdem das Wissen um die lebenslange Abhängigkeit von einer der Formen der Nierenersatztherapie (Hämodialyse, Peritonealdialyse, Transplantation) hinzu. Der erhebliche Zeitaufwand, der für die Dialyse nötig ist, muß in den Tagesablauf integriert werden, andere Aktivitäten „um die Dialyse herum“ geplant werden. Für die Mehrzahl der Patientinnen und Patienten bringt die chronische Nierenerkrankung außerdem erhebliche Einschränkungen der Lebensqualität, physische und psychische Leistungseinbußen und belastende medizinische Folgeerkrankungen mit sich.

Aber auch psychische Probleme wie Depressionen oder Ängste sind häufige Folgen der Erkrankung. Krisen in der Partnerschaft und der Familie oder soziale Isolation können ebenso auftreten wie Enttäuschungen und Schwierigkeiten im Freundeskreis. Probleme am Arbeitsplatz bis hin zu Arbeitsunfähigkeit, Entlassung oder Berentung belasten die Betroffenen zusätzlich.

Sowohl während der prädialytischen Phase als auch während des gesamten Krankheitsverlaufs sind daher zahlreiche Anpassungs- und Umstrukturierungsleistungen des einzelnen und des sozialen Umfeldes notwendig, um die Belastungen und Folgeprobleme der Erkrankung bewältigen zu können.

Zitat Ende

 

Gelesen? 

Gut. 

Dann bitte ich dich, es nochmal zu lesen!

Und dann nochmal!

Damit es auch im Gehirn und Denken ankommt!

Dabei kann ich aus meiner bisherigen eigenen Erfahrung bezeugen, dass in dem Zitat jedes einzelne Wort seine Berechtigung hat, zu 100% der Wahrheit entspricht. Abgesehen von den 1000 kleinen Kleinigkeiten, die es im alltäglichen Leben umzusetzen und damit zurechtzukommen gilt und von denen ich auch öfters hier im Tagebuch geschrieben habe. 

Auch wenn man, wie ich, bewußt positiv an die Sache herangeht, steht immer noch „schwerwiegend“, „erheblich“, „krisenhaft“, „belastend“ und „Probleme“ unausgesprochen im Raum. Wenn du einen Ertrinkenden vom Ufer aus siehst, hast du immer noch einen anderen Grund unter den Füßen als der, der im Wasser um sein Leben kämpft.

Es ist eben nicht damit getan, dass du halt „zur Dialyse“ musst, du Glück hast, dass es sowas überhaupt gibt, bequem vom Taxi gefahren wirst, als Schwerbehinderter ja jede Menge Vorteile hast bis hin zur vorzeitigen Rente und dass alles nicht wirklich sooo schlimm ist.

 

Es ist doch ein wenig anders als „Aha, okay, dann viel Spaß.“ Ein ganz klein wenig anders.

 

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