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Feb 15 2019

Freitag, der letzte in dieser Woche

 

Langsam müssen wir uns wieder den positiven Dingen und Themen zuwenden.  Sonst bekomme ich noch den Ruf eines Miesmachers. Doch was ist „positiv“? Ich meine, positiv ist all das, was man positiv betrachtet.

Zum Beispiel die Dialyse. Fast vier Monate dabei. Und ich kann feststellen, dass ich mich im Großen und Ganzen in meinem Tagesablauf eingewöhnt habe. Viele Abläufe sind gewohnt und selbstverständlich geworden. Man braucht gar nicht mehr darüber nachzudenken und hat den Kopf wieder frei für andere Sachen. Das kam und kommt mir zugute bei der immensen Erkältung der letzten zwei Wochen und bei den nachfolgenden Bandscheibenschmerzen, die Folge eines kritischen Unfalls in der Jugendzeit. (Das wäre auch wieder eine der zahlreichen „Jackpot-Geschichten“.) 

Oder das Frühstück mit vier halben Brötchen. Drei gleich, eins nach zwei Stunden. Manchmal könnte ich sogar mehr... Ein Spruch meines Vaters: „Seit dem Abendbrot nichts gegessen und die ganze Nacht kein Auge aufgemacht - das macht hungrig.“ Dazu ein Glas Wasser oder zwei. Mehr Flüssigkeit kam bisher nicht in Frage; vier Stunden im Bett hätten sonst Probleme in der Blase ausgelöst. Denn auch für Dialysepatienten gilt: „Es gibt Drücke, die hält der stärkste Mann nicht aus.“ Im Bett neben Daisy nicht unbedingt wünschenswert. Dadurch, dass mir Daisy jetzt regelmäßig 200 ml zusätzlich Wasser entzieht, ist der Druck in der Blase nach den vier Stunden erträglicher geworden und ich brauch nach der Dia nur noch 2-300 ml pinkeln.

Auch an den Zustand nach der Dialyse hab ich mich gewöhnt. Ich komm heim und hab Bärenhunger. Ich bin nach dem Essen müde. Ich schlaf dann meist 2 bis 3 Stunden. Ich steh danach auf und hab keinen Schwung, noch groß was zu arbeiten. Der Tag ist so gut wie gelaufen. Besonders bei den Eisen-Attentaten-Tagen bin ich zu nichts mehr zu gebrauchen. Zu nichts zu gebrauchen, aber zu allem fähig... Vielleicht liegt das ja auch an der depressiven Winterstimmung, die momentan herrscht. Ich bin versucht, ab und an mal im Internet zu recherchieren, ob es die Sonne überhaupt noch gibt. Zu sehen ist sie oft wochenlang nicht. Im Sommer dann, im Garten, wenn Gras, Petersilie und Unkraut sprießen und ich mit einem Gläschen Rotwein in der Abendsonne sitze und in der beginnenden Dämmerung das Lagerfeuer anzünde und mir vielleicht noch eine Bratwurst über dem Feuer brutzel - dann hab ich sicher wieder mehr Elan für Unternehmungen und altersgemäße Action. 

Die dialysefreien Tage laufen auch schon anders als am Anfang. Wenn ich nicht mit Husten oder Bandscheiben geplagt bin, geh ich spazieren und sitze auch wieder länger am PC, um Aufträge meiner Kunden zu bearbeiten. Schließlich bin ich noch selbständig. Die Rente ist zwar schon beantragt, nur noch nicht regelmäßig auf dem Konto. Der Alltag „normalisiert“ sich also langsam.

Heute eine Neuerung. Anstatt immer nur ein oder zwei Gläser Wasser zum Dia-Frühstück gibt es heute zusätzlich eine Tasse echten Bohnenkaffee. In den letzten zwei Wochen ist, ohne die Medikation zu ändern, mein Blutdruck um ca. 20 und mehr gesunken, Sys und Dia. Mal sehen, was der Kaffee bewirkt. Vormittags hat er auch keine Auswirkung auf den Nachtschlaf. 

„Komisch“ meint einer, „immer wenn ich Kaffee trinke, kann ich nicht schlafen.“ „Bei mir ist es genau umgekehrt“ erwidert sein Kumpel, „ immer wenn ich schlafe kann ich keinen Kaffee trinken.“

Aber jetzt wird nicht geschlafen. Die Kaffeetasse ist leer, ein halbes Brötchen hab ich noch in Reserve, Müdigkeit ist heute weit und breit nicht zu sehen, die Nadeln im Arm sind einigermaßen erträglich, es ist relativ still im Raum, ich sitze bequem. 

Auf zum Doku schauen und die Zeit hier genießen!

 

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