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Jan 25 2019

Freitag

 

So schnell kann es gehen. 

Neulich war ich in den Augen meiner Mitpatienten noch ein junges Kücken. Erst knapp 10 Wochen dabei. Schmeichelhaft, als 64-jähriger solche Worte zu hören. Doch vorgestern war plötzlich alles ganz anders. Ich fragte die Schwester nach meinen aktuellen Blutwerten. Bisher war es so, dass beim Stechen der Nadeln - eigentlich ein grausamer Begriff - etwas Blut abgenommen und analysiert wurde. Am Mittwoch aber nicht. Warum? Weil ich laut Schwestern mittlerweile zu den alten Hasen gehöre. Die Blutwerte waren die ganze Zeit stabil und im grünen Bereich, also braucht man in Zukunft nur einmal pro Woche testen.

Vom jungen Kücken zum alten Hasen innerhalb von nur zwei Wochen. Tolle Leistung!

 

Heute hat mir eine Mitpatientin ein Buch gegeben. „Ernährungsatlas für Dialysepatienten“, ISBN: 3-935457-18-9 Was habe ich beim Überfliegen gesehen? Zunächst wird relativ verständlich erklärt, wie Ernährung funktioniert, welche Stoffe für den Körper wichtig bzw. kritisch sind, warum man ab- bzw. zunimmt und wie man das steuern kann. Dabei wird immer besonders auf die konkrete Situation von Dialysepatienten eingegangen.

Anschließend werden über 300 verschiedene Lebensmittel vorgestellt mit Angaben zu den für Dialysepatienten relevanten Bestandteilen und entsprechende Alternativen zu bisherigen Ernährungsgewohnheiten. Übersichtlich, verständlich, gut. Allerdings hat das Buch 298 Seiten. Man kann es nicht einfach mal so nebenbei lesen. 

Man sollte es langsam durcharbeiten, besonders den ersten Teil der theoretischen Abhandlung über Ernährung. Wenn man weiß, wie was warum wo im Körper funktioniert, ernährt man sich fast automatisch ganz anders. Bei den ersten Fahrübungen meines Sohnes mit mir zusammen im Auto hat er das Kuppeln erst hingekriegt, als ich ihm die Wirkungsweise einer Kupplung genau und anschaulich erklärt habe. Heute fährt er bis zu 4000 km im Monat, ohne auch nur über das Kuppeln nachzudenken. So ähnlich ist es bei der Ernährung. Da spielen dann nur noch Gewohnheiten, Lieblingsspeisen, Gelüste, Bequemlichkeiten und Verlockungen eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Der zweite Teil mit den über 300 Lebensmitteln ist dann eher ein brauchbares Dauer-Nachschlagewerk für den Alltagsgebrauch.

Mein erster Eindruck? Wertvoll, 9 von 10 Punkten. Mindestens. Kaufen!

 

Hier im Raum ist alles still. Die Fernseher laufen, man hört nur ganz leise aus den Kopfhörern mit, alle schauen oder schlafen, die Schwestern sind alle hinten in ihrem Aufenthaltsraum und frühstücken. Wir hier im Raum sind schon fertig mit Frühstück. Satt, zufrieden, träge. Alle Maschinen, einschließlich Daisy, schnurren leise vor sich hin, nur ab und zu ein Alarm. Eine friedliche Atmosphäre. Warum ist das nicht immer so? Nur die beiden Nadeln im Arm stören ein wenig.

Ich werde mich jetzt auch gemütlich nach hinten legen und ein Schlummerchen machen. Also, bitte leise sein...!

Kommentar 1

Ich mag deine kleinen Anekdoten über deinen nicht so alltäglichen Alltag.

Und finde es gut, dass so oft kleine Tips und Ratschläge dabei sind, die ein neuer Mitbewohner sicher gut gebrauchen kann.

Lese jedes Mal sehr gerne von dir.

 

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