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Dez 31 2018

Montag, 31.12.

 

Das Jahr geht zu Ende. Wieder mal. Viele Menschen bewerten das viel zu hoch. Dabei ist das ein ganz normaler Tag wie jeder andere auch. Es wird Abend, es wird Nacht - okay, zugegeben, diese Nacht wird etwas lauter als andere - es wird Morgen und Zack, ein neuer Tag, ein neuer Monat, ein neues Jahr. Nichts Außergewöhnliches, keine Geburtswehen, keine Zauberei, kein Tamtam, nichts. Einfach nur ein neuer Tag. Man muss lediglich die Kalender an der Wand wechseln. Doch sonst geht das Leben weiter wie immer. Die Erde dreht sich immer noch in die gleiche Richtung, alles bleibt, wie es schon immer war.

Die Vorsätze, die man sich für das neue Jahr gemacht hat, können nun in die Tat umgesetzt werden. Können. Meist erkennt man doch ganz schnell, dass man sich zu viele und viel zu hohe Ziele gesetzt hat in der Euphorie durchzechter Silversternächte. Und je länger man die Umsetzung dieser Ziele hinauszögert, um so schwächer und bedeutungsloser werden sie. Und um so weniger dringlich muss man sie ernst nehmen. Sind ja keine Versprechen, nur Vorsätze. Vorsätze kann man auch wieder zurück setzen. Selbst das mulmige, drückende Gefühl, es dieses Jahr wieder nicht geschafft zu haben, verblasst dann mit der Zeit. Ist es euch noch nie so gegangen? Dann geht es euch besser als mir...

 

Doch anders herum an die Sache herangehen ist meiner Meinung nach viel besser, beruhigender, entspannter. Da muss man nicht enttäuscht sein über zurückgesetzte Vorsätze, weil es gar keine ernsthaften Vorsätze gab, man hat keinen Stress, etwas geleistet haben zu müssen, der Spagat zwischen Wunsch und Realität bleibt aus. Man hat jeden Tag bewusst und verantwortungsbewusst gelebt und sein Leben gemeistert. Reicht das nicht?

 

Rückschau statt Vorschau. Wie ist das Jahr gelaufen? Warst du zufrieden damit? Hast du mehr erwartet? Bist du enttäuscht? Lief es so, wie du wolltest oder es dir vorgestellt hast?

 

Für mich war es ein sehr interessantes Jahr. Es gab Dinge, die vorhersehbar waren, es gab Situationen, die mich überrascht, vielleicht sogar überrannt haben, erfreuliche und weniger erfreuliche Tatsachen, mit denen ich zurechtkommen musste. Und doch war es im Rückblick insgesamt ein gutes Jahr.

Es war kein Vorsatz, eher eine Vorahnung: In diesem Jahr gibt es viele Veränderungen. Vieles wird anders. Vieles neu. Ungewohnt, prickelnd, aufregend, gewöhnungsbedürftig, überraschend angenehm, erfreulich und erstrebenswert, schmerzlich. Es war alles dabei.

 

Das fing mit der Entscheidung an, mir wieder einen Vollbart stehen zu lassen. Nach sieben Jahren Abstinenz. Ich behaupte, er steht mir. Andere, nette, mir wichtige Menschen finden das auch.

 

Ich hab meinen Polo geschrottet. Motorschaden wegen Zahnriemenriss. Irreparabel. Das führte mich zum Entschluss, in Zukunft autolos zu leben. Gut, nicht ganz. Es war mein Zweitwagen, den ich berufsmäßig gebraucht hab, weil den anderen Wagen, den KIA, meine Frau berufsmäßig braucht.

 

Damit in enger Verbindung stand, meine nebenberuflichen Aktivitäten weitestgehend zurückzuschrauben. Bedeutet normalerweise finanziellen Verlust, aber weil das Leben gut zu mir ist, bekomme ich so viele Web-Aufträge, dass für anderes gar keine Zeit mehr bleibt.

Das Einzige, das mich daran stört, ist, dass ich auch keinen Kindergartenbus mehr fahren kann. Die letzte Möglichkeit, meinem Diesel im Blut aktiv gerecht zu werden. Vom Trucker mit 40-Tonner im internationalen Fernverkehr durch ganz Osteuropa über „wenigstens Kleinbus“ zum „nicht mal mehr Polo“ ist schon ein ziemlicher Absturz... Den KIA fahr ich nur ab und zu bei Bedarf und wenn ihn meine Frau nicht braucht. Ich bin dafür mehr auf Bus und Bahn umgestiegen.

 

Wieder damit in Verbindung ist der Wunsch gewachsen, alte Trucker-Erinnerungen aufleben zu lassen. An „Original-Schauplätzen“. Nein, nicht bis nach Moldawien oder Narva in Estland. Geht schon mal gar nich, weil ich Daisy nicht so lange allein lassen könnte. Und ob ihre Verwandten im Ausland so gut wären? Ich glaube kaum. Aber bis zu meiner ersten Übernachtungsstelle schaffe ich es. Oder meine letzte, je nachdem, aus welcher Richtung ich kam. Aisterheim an der A8 in Österreich. Ich kenne noch heute fast jeden Winkel dieses Rasthofes, weiß meinen Lieblingsplatz hinten am Fenster noch, hab fast noch den Geschmack des Trucker-Frühstückes mit Spiegeleiern und Schinken im Mund. Dort möchte ich Abschied vom Truckerleben nehmen, ein paar Tage lang. Ein Dialysezentrum ist ganz in der Nähe in Linz. Und wer weiß, sicher gibt es dort noch mehr zu erleben...

 

Die Entscheidung, den gepachteten Garten zu kaufen, wird langsam in die Praxis umgesetzt. Erste Baumaßnahmen nehmen Gestalt an.

 

Mein Laptop schmiert ab. Dadurch ist die berufliche Existenz gefährdet. Große Entscheidung: Wechsel von MS auf Apple. Ist mir gelungen, wenn auch noch mit kleinen Unpässlichkeiten. Viele gewohnte Befehle verlangt der Apple ganz anders.

 

Die wohl wichtigste und gravierendste Veränderung war ohne Frage der Zustand meiner Nieren. Obwohl am Anfang des Jahres alles noch „so weit weg“ war und irgendwann mal passieren würde, kam es doch schneller als erwartet. Es hätte noch Jahre dauern können. Und nun waren es nur Wochen. Man nimmt es, wie es kommt.  Darüber habt ihr ja hier im Tagebuch ausführlich lesen können.

 

Das Jahr geht zu Ende. Wieder mal... Noch einige Dinge wären zu berichten. Aber ich will ja heute kein Buch schreiben, sondern wieder nur einen Tagebucheintrag.

 

Wir lesen uns dann also erst nächstes Jahr wieder. Nicht traurig sein. Dauert ja nicht mehr allzu lange...

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